20. September – 04. Oktober: Ausstellung „Das Jüdische Viertel“ von Vira Vaysberg

Ausstellung
Sonntag, 20. September 2026
11:30 Uhr
VHS Bielefeld, Ravensberger Park 1
Eintritt frei - Keine Anmeldung

Die in Kiew geborene Künstlerin Vira Vaysberg setzt sich in ihrem Werkzyklus Das Jüdische Viertel. 29.09 mit der Erinnerung an das Massaker von Babyn Yar auseinander. Ausgehend von persönlichen Bezügen und kollektiven Erfahrungen der Kiewer jüdischen Gemeinschaft entstehen eindringliche Ölgemälde, die sich behutsam einem der größten Verbrechen der Schoa nähern.

Im Zentrum steht das Gedenken an den 29. September 1941. Zugleich erweitert der Zyklus den Blick auf jüdisches Leben, Erinnerung und Schicksal über diesen historischen Moment hinaus. Vaysbergs Arbeiten vermeiden bewusst Naturalismus und Pathos und entwickeln stattdessen eine eigene, sensible Bildsprache zwischen persönlicher Erinnerung und künstlerischer Reflexion.

Teile des Werkzyklus wurden bereits im Scholem-Alejchem-Museum in Kiew gezeigt und sind heute Bestandteil der dortigen Sammlung.

Eröffnung: Sonntag, 20. September 2026, 11:30 Uhr, VHS Bielefeld, Ravensberger Spinnerei 1

Die Ausstellung wird bis zum 04. Oktober 2026 während der Öffnungszeiten der VHS gezeigt

Ohne Anmeldung. Eintritt frei.

Gefördert durch den Zentralrat der Juden

Vira Vaysberg: „In der Sinagoge“ 65x81cm, Öl, Lw

Vira Vaysberg

Vira Vaysberg, geboren 1958 in Kyjiw, ist eine in Hamburg lebende Künstlerin, deren Werk von persönlichen Erinnerungen, jüdischer Geschichte und gesellschaftlichen Fragestellungen geprägt ist. Ihre künstlerische Ausbildung erhielt sie an der Taras-Schewtschenko-Kunstschule in Kyjiw. Bereits in den 1980er Jahren war sie Teil der dortigen unabhängigen Kunstszene und entwickelte früh eine eigenständige Bildsprache, die sich an Traditionen des Expressionismus orientiert.

Seit den späten 1980er Jahren ist Vaysberg kontinuierlich in Ausstellungen vertreten. Nach ihrer Übersiedlung nach Hamburg im Jahr 2002 etablierte sie sich auch in der deutschen Kunstszene und ist seit 2004 Mitglied im Bundesverband Bildender Künstlerinnen und Künstler. Ihre Arbeiten wurden unter anderem in Hamburg, Berlin und international gezeigt, etwa im Rahmen der Internationalen Biennale Hamburg. Werke befinden sich heute in öffentlichen Sammlungen wie dem Museum der Geschichte Kyjiws sowie in privaten Sammlungen weltweit.

Neben ihrer künstlerischen Tätigkeit ist Vaysberg auch als Kunstpädagogin und Autorin aktiv. Sie unterrichtete viele Jahre im jüdischen Kontext in Kyjiw und Hamburg und veröffentlicht seit 2010 Essays zu kunsttheoretischen sowie gesellschaftlichen Fragen. Ihr Werk verbindet künstlerische Reflexion mit historischer Verantwortung und persönlicher Haltung.

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Die Ausstellung

„DAS JÜDISCHE VIERTEL. 29.09“ – Werkzyklus von Vira Vaysberg

In diesem Jahr jährt sich die Erschießung von 33.000 Juden durch die Nationalsozialisten am 29. September 1941 in Babyn Jar zum 85. Mal.

In Kyjiw, wo die jüdisch-ukrainische Künstlerin Vira Vaysberg geboren wurde, waren und sind die Erinnerungen an das Massaker in der Schlucht von Babyn Jar allgegenwärtig. So gut wie jede jüdische Familie in Kyjiw hat dort jemanden begraben, und jeder Bewohner wusste um das Ausmaß der Tragödie, obwohl sie zu sowjetischen Zeiten vollständig verschwiegen wurde. Erst in den 1970er Jahren wurde ein Denkmal errichtet, auf dem jedoch das Wort „Juden“ nicht zu finden war, sondern lediglich die Formulierung „die ermordeten friedlichen Bewohner“.

Die nationale Kunstschule, an der Vira Vaysberg studierte, liegt nur einen Kilometer von Babyn Jar entfernt. So war sie sich bereits von Kindheit an nicht nur der Tragödie als solcher, sondern auch der Ungerechtigkeit gegenüber den jüdischen Opfern bewusst.

Vielleicht deshalb wendet sich die Künstlerin immer wieder dem Gedenken an die in Babyn Jar ermordeten Juden zu. So ist im Laufe der Jahre der Werkzyklus „Das Jüdische Viertel. 29.09“ entstanden.

Für eine bildende Künstlerin ist es eine enorme Herausforderung, sich einem der schrecklichsten Verbrechen des Holocaust und einem der größten Massengräber der Welt zu nähern. Man möchte weder das Grauen in drastischen Bildern ausstellen noch in falsche Sentimentalität verfallen und der Tragödie dennoch gerecht werden.

„Ich habe mich dafür entschieden“, sagt die Künstlerin, „mir die Kyjiwer Juden – Frauen, Kinder und ältere Menschen – in den letzten Herbsttagen ihres Lebens vorzustellen. Ich dachte immer daran, dass ich eine von ihnen hätte sein können. Dieses Gefühl teile ich mit den meisten Kyjiwer Juden, von denen fast jede Familie ein Opfer zu beklagen hat und Babyn Jar als für immer gegenwärtig empfindet. Dort liegt auch mein Großonkel begraben. Beim berühmten jüdisch-ukrainischen Publizisten Vitali Portnikow, dessen Porträt ausgestellt ist, wurde die halbe Familie mütterlicherseits ermordet.“

Im Laufe der Zeit wurde der Zyklus um weitere Werke ergänzt. Das Thema des europäischen Judentums wird im weiteren Sinne als Weltwahrnehmung und als Schicksal dargestellt. Der Kern des Zyklus ist und bleibt dem Gedenken an die Opfer von Babyn Jar gewidmet. Die weiteren Werke stellen jedoch auch andere Ereignisse, Kindheitserinnerungen, Zeitgenossen und Orte dar. Auf den Leinwänden erscheinen Verwandte und Nachbarn, Häuser und Pflastersteine, in denen Jiddisch noch als Alltagssprache zu hören war.

Im Jahr 2012 wurden Ölgemälde aus diesem Zyklus im Rahmen der Einzelausstellung „Das Jüdische Viertel. Malerei von Vira Vaysberg“ im Scholem-Alejchem-Museum in Kyjiw, einer Filiale des Staatlichen Museums für die Geschichte Kyjiws, gezeigt. Seitdem befinden sich einige der ausgestellten Bilder im Besitz des Museums.

„In der Sinagoge“ 65x81cm, Öl, Lw

„29 September. Das Mädchen.“ 60x80cm Öl, Lw

„29 September. Mutter und Sohn.“  90x60cm Öl, Lw

„An der Schlucht“  80x60cm, Öl,Lw

„Das leere Schtetl“ 60x70cm Öl,Lw

Der unvollendete Tag“ 73x54cm Öl,Lw

„Wu is dos gesele…“       70x100cm,  Acryl,Kart

„Der Geist der Sinagoge“ 44x62cm öl, Kart.

Selbstbildnis              80x60cm Ol.Lw

Hintergründe zu Babyn Jar

Am 29. und 30. September 1941 ermordeten deutsche Nationalsozialisten und ihre Helfer in der Schlucht von Babyn Jar bei Kyjiw innerhalb von zwei Tagen über 33.000 jüdische Männer, Frauen und Kinder. Es war das größte einzelne Massaker des Zweiten Weltkriegs auf europäischem Boden.

Die Verbrechen stehen exemplarisch für den sogenannten „Holocaust durch Kugeln“. In den von Deutschland besetzten Gebieten Osteuropas wurden hunderttausende jüdische Menschen systematisch erschossen. Allein in der Ukraine fielen diesen Massenerschießungen schätzungsweise bis zu zwei Millionen Menschen zum Opfer.

Die Opfer von Babyn Jar wurden unter dem Vorwand einer Umsiedlung zusammengetrieben, entkleidet und in der Schlucht erschossen. In den folgenden Jahren diente der Ort weiterhin als Hinrichtungsstätte für zahlreiche weitere Opfergruppen. Die genaue Gesamtzahl der Ermordeten ist bis heute nicht abschließend geklärt.

Nach dem Krieg wurde das Verbrechen lange unzureichend erinnert. Erst seit der Unabhängigkeit der Ukraine gewinnt Babyn Jar zunehmend an Bedeutung in der internationalen Erinnerungskultur.

Sowjetische Kriegsgefangene schaufeln nach dem Massaker von Babyn Jar ein Massengrab zu. Foto von Johannes Hähle (1906–1944).

Ausführliche Hintergründe zum Massaker von Babyn Jar auf der Seite der Bundeszentrale für politische Bildung

Jüdische Kultusgemeinde Bielefeld K.d.ö.R.

Jüdische Kulturtage Bielefeld e.V.

Gefördert durch den Zentralrat der Juden

VHS Bielefeld

Ravensberger Park 1

33607 Bielefeld

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