Die Ausstellung
„DAS JÜDISCHE VIERTEL. 29.09“ – Werkzyklus von Vira Vaysberg
In diesem Jahr jährt sich die Erschießung von 33.000 Juden durch die Nationalsozialisten am 29. September 1941 in Babyn Jar zum 85. Mal.
In Kyjiw, wo die jüdisch-ukrainische Künstlerin Vira Vaysberg geboren wurde, waren und sind die Erinnerungen an das Massaker in der Schlucht von Babyn Jar allgegenwärtig. So gut wie jede jüdische Familie in Kyjiw hat dort jemanden begraben, und jeder Bewohner wusste um das Ausmaß der Tragödie, obwohl sie zu sowjetischen Zeiten vollständig verschwiegen wurde. Erst in den 1970er Jahren wurde ein Denkmal errichtet, auf dem jedoch das Wort „Juden“ nicht zu finden war, sondern lediglich die Formulierung „die ermordeten friedlichen Bewohner“.
Die nationale Kunstschule, an der Vira Vaysberg studierte, liegt nur einen Kilometer von Babyn Jar entfernt. So war sie sich bereits von Kindheit an nicht nur der Tragödie als solcher, sondern auch der Ungerechtigkeit gegenüber den jüdischen Opfern bewusst.
Vielleicht deshalb wendet sich die Künstlerin immer wieder dem Gedenken an die in Babyn Jar ermordeten Juden zu. So ist im Laufe der Jahre der Werkzyklus „Das Jüdische Viertel. 29.09“ entstanden.
Für eine bildende Künstlerin ist es eine enorme Herausforderung, sich einem der schrecklichsten Verbrechen des Holocaust und einem der größten Massengräber der Welt zu nähern. Man möchte weder das Grauen in drastischen Bildern ausstellen noch in falsche Sentimentalität verfallen und der Tragödie dennoch gerecht werden.
„Ich habe mich dafür entschieden“, sagt die Künstlerin, „mir die Kyjiwer Juden – Frauen, Kinder und ältere Menschen – in den letzten Herbsttagen ihres Lebens vorzustellen. Ich dachte immer daran, dass ich eine von ihnen hätte sein können. Dieses Gefühl teile ich mit den meisten Kyjiwer Juden, von denen fast jede Familie ein Opfer zu beklagen hat und Babyn Jar als für immer gegenwärtig empfindet. Dort liegt auch mein Großonkel begraben. Beim berühmten jüdisch-ukrainischen Publizisten Vitali Portnikow, dessen Porträt ausgestellt ist, wurde die halbe Familie mütterlicherseits ermordet.“
Im Laufe der Zeit wurde der Zyklus um weitere Werke ergänzt. Das Thema des europäischen Judentums wird im weiteren Sinne als Weltwahrnehmung und als Schicksal dargestellt. Der Kern des Zyklus ist und bleibt dem Gedenken an die Opfer von Babyn Jar gewidmet. Die weiteren Werke stellen jedoch auch andere Ereignisse, Kindheitserinnerungen, Zeitgenossen und Orte dar. Auf den Leinwänden erscheinen Verwandte und Nachbarn, Häuser und Pflastersteine, in denen Jiddisch noch als Alltagssprache zu hören war.
Im Jahr 2012 wurden Ölgemälde aus diesem Zyklus im Rahmen der Einzelausstellung „Das Jüdische Viertel. Malerei von Vira Vaysberg“ im Scholem-Alejchem-Museum in Kyjiw, einer Filiale des Staatlichen Museums für die Geschichte Kyjiws, gezeigt. Seitdem befinden sich einige der ausgestellten Bilder im Besitz des Museums.

„In der Sinagoge“ 65x81cm, Öl, Lw

„29 September. Das Mädchen.“ 60x80cm Öl, Lw

„29 September. Mutter und Sohn.“ 90x60cm Öl, Lw

„An der Schlucht“ 80x60cm, Öl,Lw

„Das leere Schtetl“ 60x70cm Öl,Lw

Der unvollendete Tag“ 73x54cm Öl,Lw

„Wu is dos gesele…“ 70x100cm, Acryl,Kart

„Der Geist der Sinagoge“ 44x62cm öl, Kart.

Selbstbildnis 80x60cm Ol.Lw