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Informationsblatt der jüdischen Kultusgemeinde Bielefeld

Hier können Sie einen Überblick über die neuen Ereignisse unserer Gemeinde bekommen und das aktuelle Informationsblatt der jüdischen Kultusgemeinde Bielefeld downloaden.

Aktuelle Bekanntmachung

» Corona-bedingte Absagen im November 2020 [PDF]

» Leider müssen aufgrund der Corona-Beschränkungen die Konzerte am 6. Dezember 2020 sowie am 13. Dezember 2020 ausfallen.

Veranstaltungen + Termine

Konzert

Konzert mit dem Duo Segotal

am Sonntag, den 4. Oktober 2020 um 17.00 Uhr

in der Synagoge Beit Tikwa der Jüdischen Kultusgemeinde Bielefeld
Detmolder Straße 107, 33604 Bielefeld

Der israelische Jazz-Pianist Doron Segal lebt seit 2014 in Berlin. Anfang 2019 kam sein Debütalbum „The Addition of Strangeness“ heraus. Das zeitgenössische Jazz-Genre erfährt in dem Album einen smoothen, modernen und innovativen Zugang. Neben Soloauftritten ist Doron Segal auch mit seinem Trio und in unterschiedlichen internationalen Projekten zu hören.

Doron Segal begann im Alter von sieben Jahren sein Klavierstudium am Konservatorium der Stadt Karmiel im Norden Israels. Nachdem ihn sein Bruder im Alter von sechzehn Jahren für Jazz-Musik begeisterte, spielte Doron in verschiedenen Jazz-Projekten, Wettbewerben und Bands in Israel. Mit einundzwanzig Jahren begann er an der Akademie für Musik und Tanz in Jerusalem. Zu seinem Abschluss wurde Doron ein Exzellenzstipendium der Israeli Union of Performing Artists verliehen. Weitere Informationen: doronsegalmusic.com

Nach dem Konzert laden wir alle Besucher herzlich in die Sukka ein.

Einlass ab 16.30 Uhr

Eintrittskarten zu 10 €/ermäßigt 8 € können nur im Vorverkauf mit Angabe der Anschrift bei der Jüdischen Kultusgemeinde Bielefeld erworben werden.
Bitte melden Sie sich vorab entweder unter 0521-123083 oder unter info@juedische-gemeinde-bielefeld.de an.

Veranstalter:
Jüdische Kultusgemeinde Bielefeld
Zentralrat der Juden in Deutschland

News

Bündnis ruft zur Kommunalwahl auf
Düsseldorf, 1. September 2020 Landtag Nordrhein-Westfalen, Medieninformation

„Gemeinsam Demokratie stärken“: Bündnis ruft zur Kommunalwahl auf

Ein breites gesellschaftliches Bündnis ruft die Bürgerinnen und Bürger des Landes zur Teilnahme an den Kommunalwahlen und Integrationsratswahlen am 13. September 2020 auf. 27 Organisationen unterstützen die Initiative des Deutschen Gewerkschaftsbunds NRW und des Landtags Nordrhein-Westfalen mit dem Titel „Gemeinsam Demokratie stärken“. Dabei sind unter anderem die kommunalen Spitzenverbände, Kirchen und Religionsgemeinschaften, Unternehmen, Gewerkschaften und Wohlfahrtsverbände.

Der Präsident des Landtags, André Kuper, sagt: „Die Städte und Gemeinden sind die Basisunserer parlamentarischen Demokratie vor Ort. Hier entscheiden die Bürgerinnen und Bürger, wie es vor ihrer Haustür aussieht. Mit ihrer Stimmabgabe können sie bei den Kommunalwahlen die Politik in ihrem direkten Umfeld mitbestimmen. Ein breites gesellschaftliches Bündnis hat sich zusammengetan und ruft alle Wahlberechtigten in Nordrhein-Westfalen auf: Gehen Sie wählen, stärken Sie die Demokratie und unterstützen Sie die Ehrenamtlerinnen und Ehrenamtler in den kommunalen Gremien!“

Anja Weber, Vorsitzende des DGB NRW, sagt: „Unsere Kommunen sind, bei allen Problemen und Aufgaben, offen, bunt und lebensfroh. In unseren Städten und Gemeinden stellen wir gemeinsam die Weichen für Chancengleichheit und das Funktionieren unserer Demokratie. Damit das funktioniert, ist es wichtig, die Kommunen am 13. September zu stärken: Zur Wahl gehen, demokratische Parteien und Kandidatinnen und Kandidaten wählen und mit einer hohen Wahlbeteiligung bei der Kommunal- und Integrationsratswahl unsere Demokratie stärken.“

In dem Wahlaufruf heißt es unter anderem: „Durch die aktuellen Herausforderungen – ob CoVid-19-Pandemie oder Klima- und demografischer Wandel – müssen die Lebensverhältnisse in unseren Städten und Gemeinden zukunftssicher ausgerichtet werden. Jede Stimme für demokratische Bewerberinnen und Bewerber ist eine Stimme für Demokratie und Ehrenamt. Jede Stimme zählt für Toleranz, Vielfalt und Zusammenhalt. Wir bitten Sie daher: Gehen Sie zur Wahl, geben Sie Ihre Stimme ab – Wir zählen auf Sie!“

» Wahlaufruf.docx

Stolpersteinverlegung

Stolpersteinverlegung

Stolpersteinverlegung für den letzten Rabbiner Dr. Hans Enoch Kronheim und seine Familie vor seinem ehemaligen Wohnhaus „Am Goldbach 16“. Rabbiner Dr. Kronheim und seiner Familie gelang am 12. Juni 1939 noch die Ausreise in die USA.

Negev Wüste
Rabbiner Dr. Henry G. Brandt am 12.06.2020

Betrachtungen zum Wochenabschnitt Beha’alotcha

Erzählungen aus der Bibel haben eine ganz besondere Qualität, die sie von Geschichten anderen Ursprungs unterscheidet. Zum einen zeichnen sie uns die darin handelnden Menschen in einer Art, die es uns erlaubt, uns mit ihnen zu identifizieren und uns in ihre Situation einzufühlen. Fehler und Schwächen werden nicht beschönigt wie auch ihre Erhabenheit und Größe nicht verschwiegen werden.

Dies haben biblische Erzählungen mit allen guten literarischen Werken dieser Art gemeinsam. Das Besondere besteht darin, dass dem Menschen gegenüber das göttliche Denken und Handeln steht, wenn wir auch darauf beschränkt sind, dieses in den Grenzen des menschlichen Fassungsvermögens vorgetragen zu bekommen. Auch wo göttliche Intervention nicht offensichtlich ist, bewegt doch der Geist und die Inspiration des Göttlichen einen oder mehrere der handelnden Personen. Deren Aussagen und Taten gehen dann in eine andere als die normal erwartete Richtung, und ergeben eine Hintergrundfolie, die es erlaubt, den Unterschied zwischen idealer Handlungsweise und normalen menschlichem Tun darzustellen. Aus der Diskrepanz ergibt sich dann die Lehre, die uns fordert, höhere Maßstäbe an uns selbst anzulegen, um uns auf höhere Ebenen menschlichen Verhaltens aufzuschwingen.

Der Toraabschnitt für diesen Schabbat, der den Namen „Beha‘alotcha“ trägt, enthält Erzählungen dieser Art. Im 11. Kapitel des 4. Buches Moses wird berichtet, dass angesichts der schweren und bescheidenen Lebensbedingungen in der rauen Wüste, die Kinder Israels wieder einmal ihrer Unzufriedenheit freien Lauf lassen und mit bitteren Vorwürfen an Moses herantreten. Vergessen die Härten und Entbehrungen der ägyptischen Knechtschaft; vergessen auch die wunderbare Rettung aus der Erniedrigung und der Fronherrschaft, sowie die immerwährenden Zeichen Gottes Vorsehung und Schutzes, der es ihnen ermöglichte, in der Wildnis zu überleben. Was die Erinnerungen in den Vordergrund spülte, waren die Menüzettel Ägyptens, der Nachgeschmack der Fische, der Früchte und Gemüse, die es dort in Hülle und Fülle gab. Ah – wie wunderbar lebte man in jenen Zeiten und wie langweilig und eintönig die Mannadiät der Wüste, von der es kein Entrinnen gab und die keine Abwechslung kannte. Sie schrien: „Nun ist aber unsere Seele matt, denn unsere Augen sehen nichts als das Manna.“

Die Bibel berichtet: „Als nun Moses das Volk weinen hörte, alle Geschlechter miteinander, einen jeden in der Tür seines Zeltes, da entbrannte der Zorn des Herren sehr, und auch Moses verdross es sehr.“ Nun sollte man glauben zu wissen, wie die Geschichte weitergehen würde. Doch es kommt anders als man eben glaubt.

Moses Verzweiflung ist verständlich. Alle seine Lehren, Beschwörungen scheinen nichts genutzt zu haben, und so beginnt er an seiner eigenen Fährigkeit, seine Führerrolle weiter zu bewältigen, zu zweifeln. Aus der Pein seines Herzens schreit er zu Gott: „Hab ich denn all das Volk empfangen oder geboren, dass Du zu mir sagen könntest: trag es in deinen Armen, wie eine Amme ein Kind trägt, in das Land, dass du ihren Vätern zugeschworen hast? Woher soll ich Fleisch nehmen, um es all diesem Volk zu geben... Ich vermag all das Volk nicht allein zu tragen, denn es ist mir zu schwer.“ Nun greift Gott nicht in die Kiste seiner Wunder und er erhebt nicht die Stimme seines Zornes. Langmut und väterliches Verständnis charakterisieren sein Vorgehen. Erstens stellt er Moses 70 Männer aus den Ältesten des Volkes zur Seite und gießt von seinem Geist auf sie aus, dass sie zusammen mit Moses die Last des Volkes tragen. Und was geschieht mit dem murrenden Volk? Diesem willfährt Gott und schickt ihm Fleisch, so dass sie zu essen haben, bis es ihnen buchstäblich zum Hals heraushängt: Fleisch, einen ganzen Monat lang.

Zwei weitere Elemente dieser Erzählung sind bemerkenswert:

Moses ist von dem Auftrag, dem Volk die anstehende Fleischversorgung mitzuteilen, gar nicht begeistert. Zweifel steckt an. Und er spricht: „Sechshunderttausend Mann Fußvolk sind es, mit denen ich lebe und du sprichst: ich will ihnen Fleisch geben, dass sie ein Monat lang zu essen haben.“ Mit unübersehbarer Ironie fährt er fort: „Kann man so viel Schafe und Rinder schlachten, dass es für sie genug sei? Oder kann man alle Fische des Meeres einfangen, dass es für sie genug sei?“

Mahnend, doch liebevoll erklingt die Antwort: „Ist des Ewigen Hand zu kurz?“ Mit diesen Worten ist für Moses wieder alles ins Lot gerückt.

Die zweite bemerkenswerte Begebenheit hängt mit der Ernennung der 70 Ältesten zusammen. Diese wurden vor das Stiftzelt gerufen. Und dort senkte sich Gottes Geist auf sie herab.

Da gerieten sie in prophetische Ekstase, als würden sie niemals aufhören. Nun hatten sich zwei der genannten Ältesten nicht zum Stiftzelt begeben und blieben aus irgendeinem Grund im Lager. Trotzdem ruhte der Geist auch auf ihnen, und sie prophezeiten im Lager. Da sprach Josua, der Diener Moses: „Mose, mein Herr, wehre ihnen!“ Denn wie die meisten von uns dachte er: Ordnung muss sein und die Rangordnung der Hierarchie beachtet werden. Moses aber sprach zu ihm: „Eiferst du um meinetwillen? Wollte Gott, dass alle im Volk des Herren Propheten wären und der Herr seinen Geist über sie kommen ließe!“

Wer glaubt, dass Autorität und Führerschaft notwendigerweise mit Arroganz, Überheblichkeit und egozentrischer Machtanmaßung verbunden sein müssen, wird hier des Besseren belehrt. Wie Sie lesen können, sind auch in dieser Hinsicht die Lehren der Bibel keineswegs überholt.

Ihnen, meine lieben Gemeindemitglieder, den Gruß des Schabbatfriedens: Schabbat Schalom.

Wenn ein Mitmensch Hilfe braucht
Bielefelder Religionsgemeinschaften werben für 20-Euro-Hilfspakete durch die Solidarische Corona-Hilfe

Wenn ein Mitmensch Hilfe braucht

Bielefeld, 28.5.2020. „Wenn ein Mitmensch Hilfe braucht und du ihm helfen kannst, dann weigere dich nicht, es zu tun.“ Der Satz aus dem Alten Testament (Sprüche Salomo, Kapitel 3,27) fasst in guter Weise zusammen, warum die vier großen Religionsgemeinschaften gemeinsam das Anliegen der Solidarischen Corona-Hilfe in Bielefeld unterstützen.

Die Idee der Solidarpakete ist eigentlich ganz einfach: Menschen mit geringem Einkommen (insbesondere Grundsicherungsempfänger) erhalten eine direkte Unterstützung in Form von 20-Euro-Einkaufsgutscheinen (maximal alle drei Monate). Dabei werden die regional gesammelten Spenden vollständig in der Region für die dort lebenden Menschen mit geringem Einkommen ausgegeben.

Franz Schaible, Vorsitzender der Stiftung Solidarität, freut sich sehr über das gemeinsame Engagement der Bielefelder Religionsgemeinschaften, die jetzt bei ihren Gemeindegliedern für eine Spende in Höhe eines Einkaufsgutscheins über 20 Euro – entweder für Lebensmittel oder für Drogerieartikel – werben.

Superintendent Christian Bald vom Evangelischen Kirchenkreis Bielefeld spricht aus, was alle Vertreter eint: „Das Solidarpaket trifft sozusagen mitten in den Kern unseres Glaubens als Christen, Juden und Muslime. Denn Nächstenliebe ist eine fest in unserem jeweiligen Glauben verankerte Einsicht, Hilfe und Unterstützung den Menschen zukommen zu lassen, die Hilfe brauchen. Ohne danach zu fragen, ob sie einer Religion angehören oder nicht.“ Dies betonen auch Norbert Nacke, katholischer Dechant für Bielefeld und Amin Alich vom Bündnis Islamischer Gemeinden Bielefeld. Irith Michelsohn, Vorsitzende der jüdischen Kultusgemeinde Bielefeld: „Wenn nicht jetzt, wann dann und wo sonst sollte sich zeigen, was uns verbindet. Sonst wären unsere Religionen hohl und leer.“

Spendenkarte für das Solidarpaket

Weitere Informationen zu den Solidarpaketen in Corona-Zeiten finden sich auf der Internetseite der gemeinnützigen Stiftung Solidarität inkl. Online-Spendenmöglichkeit: www.solidarpaket.de. Spendenkonto: Bank für Sozialwirtschaft, IBAN: DE 36 3702 0500 5577 7777 77.

Foto (v.l.): Franz Schaible (Vorsitzender der Stiftung Solidarität), Sozialpfarrer Matthias Blomeier (Evangelischer Kirchenkreis Bielefeld), Dechant Norbert Nacke (Katholisches Dekanat Bielefeld), Superintendent Christian Bald (Evangelischer Kirchenkreis Bielefeld), Amin Alich (Bündnis Islamischer Gemeinden Bielefeld) und Irith Michelsohn (Vorsitzende Jüdische Kultusgemeinde Bielefeld).

Challot für die Gemeindemitglieder am 8./9. Mai 2020

Challot für die Gemeindemitglieder am 8./9. Mai 2020

Nach fast 8 Wochen Abstinenz durften wir am Schabbat Acharej Kedoschim, dem 8. Mai wieder einen Kabbalat Schabbat und am 9. Mai einen Schacharit mit unserem Kantor Paul Yuval Adam in unserer Synagoge mit den entsprechenden Hygiene- und Abstandsvorschriften gemeinsam feiern.

Gemeinsam gedachten wir auch voller Dankbarkeit dem Kriegsende vor 75 Jahren und auch unseren Veteraninnen und Veteranen der Gemeinde.

Da außer dem Segen über den Wein, kein gemeinsamer Kiddusch stattfinden durfte, konnte jedes Gemeindemitglied am Ausgang eine verpackte Challa, eine Flasche Wein sowie ein Blatt mit den Segensprüchen für das Kerzenzünden und für den Kiddusch mitnehmen.

Viele Gemeindemitglieder haben wir in den letzten Wochen mit einem Mund-Nasen-Schutz versorgt und auch die Besorgungen für unsere älteren und/oder kranken Gemeindemitglieder setzen wir fort.

Die wöchentlichen Telefonate durch unsere Sozialarbeiterin mit Unterstützung einer weiteren Mitarbeiterin sowie gelegentliche Auswärtstermine lassen auch in Corona-Zeiten die Mitglieder spüren, dass ihre Gemeinde immer für sie da ist.

Gemeinsam werden wir diese für alle ungewöhnliche Zeit meistern.

Bleiben Sie gesund und melden Sie sich bitte im Gemeindebüro, wenn Sie Hilfe benötigen!

Ihre
Jüdische Kultusgemeinde Bielefeld K.d.ö.R.

Baumfällarbeiten

Baumfällarbeiten auf dem Jüdischen Friedhof

Die Firma Baumfällservice Matthias Gerlach aus Oerlinghausen hat zum wiederholten Mal Baumfällarbeiten auf dem Friedhof der Jüdischen Kultusgemeinde Bielefeld durchgeführt. Diese wurden leider durch Sturmschäden oder durch Pilzbefall an den Bäumen nötig.

Unsere gemeinsame Erklärung gegen die AfD auf deutsch und russisch!

Rückblicke

Rede von Landtagspräsident André Kuper - November 2019

Rede von Landtagspräsident André Kuper
anlässlich der Gedenkfeier zum Pogrom 1938
am 10. November 2019, 12:00 Uhr
Jüdischer Friedhof Rheda Wiedenbrück

Anrede,

ich bin sehr dankbar dafür, dass wir uns heute die Zeit nehmen, um innezuhalten und zu erinnern an das, was vor mehr als 80 Jahren in unserem Land geschehen ist.

Synagogen brannten, Geschäfte wurden geplündert, jüdische Menschen gedemütigt, geschlagen und auch getötet. Das war keine Reichskristallnacht, das war eine Reichspogromnacht. Eine Nacht der auf Kopfsteinpflaster dröhnenden Nagelschuhe. Wir wissen das: Am Ende stand die Shoa. Beispiellos in der Geschichte.

Auch die Synagoge hier in Rheda wurde nicht verschont. Eine alte westfälische Landsynagoge, die 1803 geweiht wurde. Um drei Uhr morgens haben sie das Feuer gelegt. In der Nacht! Im Schutz der Dunkelheit! Im Bund mit der Finsternis! Wenn wir die Bilder heute sehen von den brennenden Synagogen, dann wissen wir: Alles war geplant.

Ich weiß nicht, ob es ein Foto von der brennenden Synagoge in Rheda gibt, aber es gibt eines von der in Bielefeld! Wenn wir die Bilder sehen heute, dann spüren wir: da ist mehr zerstört worden als Holz und Stein, als Dächer und Keller. Das war ein Angriff auf unsere Kultur! Das war ein Angriff auf die Zivilisation! Ein Angriff auf uns selber!

II.

Wir haben in diesem Jahr „70 Jahre Grundgesetz“ gefeiert.
70 Jahre Demokratie.
70 Jahre Menschenrechte.
70 Jahre Religionsfreiheit und Gleichheit aller Menschen.

Und vor diesem Hintergrund betrübt es uns in besonderer Weise, was wir vor einigen Wochen in Halle, in Sachsen Anhalt erlebt haben: Ein junger Mann schießt auf die Tür einer Synagoge. Er erschießt zwei Menschen. Er verletzt weitere Menschen. Und: Er zerstört damit nicht nur das Leben anderer, sondern auch sein eigenes Leben und das seiner Familie.

Es ist nicht die einzige antisemitische Tat in unserem Land! In den Tagen nach diesem Terrorakt veröffentlichte eine Zeitung eine Liste mit antisemitischen Taten aus diesem Jahr! Von München bis Kiel! Juden werden bedroht, ihre Kippoth werden heruntergerissen, sie werden bespuckt und geschlagen.

Sie alle kennen die sog. „Stolpersteine“ von Gunter Demnig. Auch hier in Ostwestfalen erinnern sie vor den Häusern an deportierte und ermordete jüdische Bewohner. Beinahe täglich werden solche Steine ausgegraben und gestohlen. Nicht nur in Deutschland, auch beispielsweise in Italien (Rom). Gunter Demnig schätzt die Zahl dieser zerstörten Steine auf eine Zahl im hohen dreistelligen Bereich. (bis 2017 waren es 630)
Das ist unvorstellbar!

Meine Damen und Herren, gegen all das stehen wir auf. Das lassen wir nicht zu! Da sind wir gefordert, auch hier in Rheda-Wiedenbrück.

„Israel ist unser Unglück. Schluss damit“ – Hieß es zweideutig auf einem Wahlplakat der Partei „Die Rechte“ in Dortmund und in anderen Städten. So zweideutig, dass die Justizbehörden gesagt haben, es ist nicht eindeutig antisemitisch. Aber wir wissen, dass es antisemitisch gemeint ist.

Und es ist wenigstens menschenverachtend, wenn dieselbe Partei mit dem Slogan wirbt: „Wir hängen nicht nur Plakate!“
Meine Damen und Herren, das ist nicht weniger als das Wahlversprechen der Wiedereinführung der Todesstrafe!

Wer Wind sät, wird Sturm ernten – so heißt es in der Bibel. Und damit bin ich bei der Ableitung: Aus Worten werden Taten. Unsere Sprache verrät unsere Absicht. Und wer den Nationalsozialismus als „Vogelschiss der Geschichte“ bezeichnet, der, meine Damen und Herren, hat keine guten Absichten im Blick auf unser Land und seine Aussöhnung mit Israel und seinen jüdischen Bürgern hier.

Längst sind die Opfer der Rechtsradikalen nicht allein ausländische oder jüdische Menschen. Denken Sie an den Mord an Walter Lübke in Kassel! In Deutschland werden wir Stürme verhindern – und wir werden auch einen neuen Stürmer verhindern, jedwede Art rechtsradikaler Propaganda in Zeitungen wie im Internet!

III.

Heute haben wir uns an dieser Stelle als Demokraten zusammengefunden. Wir stehen alle hier auf dem Boden der Grund- und der Menschenrechte! „Nie wieder!“ – das ist nicht bloß ein Spruch auf irgendeinem Transparent. Sondern damit ist es uns ernst! Wir mögen unterschiedliche Ämter haben, verschiedenen Kirchen oder Parteien angehören. Aber wir sind uns einig darin,

  • dass der Weg Deutschlands in die Zukunft nur über den schweren Blick in die Erinnerung möglich ist.
  • dass er nur als ein demokratischer Weg möglich ist.
  • und dass er nur als ein Weg mit Israel möglich ist und nicht gegen oder ohne Israel.

Und deshalb sage ich: Das hier heute ist keine Folklore! Das ist nicht bloß ein Blick in unsere dunkle Vergangenheit! Das hat mit uns und unserer Freiheit zu tun. Das ist eine Demonstration der Freiheit! Das ist eine Ansage!

  • Wir dulden nicht, was wir in Halle gesehen haben im Oktober.
  • Wir dulden nicht, was in Chemnitz vor einem Jahr passiert ist: Hier wird kein jüdisches Restaurant überfallen. Wir werden wachsam sein und wehrhaft!

IV.

  • Auch vor diesem Hintergrund bin ich dankbar, dass das Präsidium des Landtages vor einigen Wochen die Gedenkstätte Auschwitz besucht hat.
  • Ich bin dankbar dafür, dass wir dort jungen Menschen aus unserem Land begegnet sind, Schülerinnen und Schülern, die sich mit der Geschichte der Juden in Europa, mit der Shoa und dem Nationalsozialismus beschäftigen.
  • Ich bin dankbar dafür, dass wir am kommenden Dienstag im Düsseldorfer Landtag eine Veranstaltung haben können, die sich mit der Geschichte des Jiddischen befasst. Es wird eine Lesung geben, einen Vortrag zum Jiddischen und es werden Jiddische Lieder gesungen.
  • Im Januar wird der Landtag an die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz vor 75 Jahren erinnern.

V.

Meine Damen und Herren,

an einem Tag und einem Ort wie diesem kommen einem viele Dinge in den Kopf, die bleibende Aufgaben sind. Die größte dieser Aufgaben, davon bin ich überzeugt, ist es, die europäische Einigung weiter voranzutreiben.

Jede nationalstaatliche Lösung, jeder Sonderweg wirft uns ein großes oder ein kleines Stückchen zurück auf dem Weg, der mit den beiden Worten Frieden und Freiheit umschrieben und flankiert ist.

Eine Gedenkfeier, meine Damen und Herren, wirft den Blick zwar zurück auf das unabänderlich Geschehene! Aber eine Gedenkfeier richtet den Blick zugleich nach vorn und beschreibt Perspektiven.

In diesem Sinne müssen wir das Schwere aushalten, aber wir sind nicht gelähmt. Wir stehen an einem Tag wie diesem besonders eng an der Seite unserer jüdischen Bürgerinnen und Bürger!

Wir sind einfach dankbar, dass es sie gibt!

Rabbiner Henry G. Brandt - 2019

Verleihung des Estrongo-Nachama-Preises

Laudatio des Präsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dr. Josef Schuster, beim Festakt zu Ehren von Rabbiner Henry G. Brandt anlässlich der Verleihung des Estrongo-Nachama-Preises der Meridian-Stiftung und der Ehrung durch die Allgemeine Rabbinerkonferenz, 11.9.2019, Berlin

Wander-Pratizipationspreis 2019

Wander-Pratizipationspreis 2019

Dieser Preis ist Personen gewidmet, die sich öffentlich für Integration oder Inklusion engagieren. Der Gründer der Aktion „DANKE BIELEFELD“ Dr. Faraj Remmo versteht Partizipation als Mitgestaltung und Mitentscheidung gesellschaftlicher Akteure für ein friedliches Zusammenleben.

» DANKE-Bielefeld-Verleihung-2019.pdf

Jüdischen Kulturtage Bielefeld

Alles zu den Jüdischen Kulturtagen in Bielefeld gibt es unter https://www.vhs-bielefeld.de/ und https://www.vhs-bielefeld.de/.

» Flyer - Jüdische Kulturtage

Eindrücke von den Feierlichkeiten zum 10. Jubliläum

Feierstunde für Rabbiner Henry BrandtFoto: Tobias Barniske 

Würdigung des früheren Landesrabbiners Henry G. Brandt anlässlich seines 90. Geburtstages